Bürgerverein Sommerhausen

Sommerhäuser Zeitgeschehen: das Jahr 1996

Sommerhäuser Zeitgeschehen
Sommerhausen vor 25 Jahren – Rückblick März 1996 –

(Recherchiert und geschrieben von Siegbert Fuchs)

Gemeinderatswahlen am 10. März 1996. Plakate wurden damals nicht aufgehängt. Von wegen Werbung für die Gemeinderatskandidaten. Die Kandidaten wurden ohne Fotos im Februar im Mitteilungsblatt veröffentlicht, sowie im Rathauskasten ausgehängt. In der jetzigen Zeit übertreibt man schon heftig im Vorfeld der Wahlen mit riesigen Plakaten und Versprechungen in den Wahlbroschüren. Versprechungen die man im Laufe der Legislaturperiode nur begrenzt einhalten kann. Dann kommt wie geschehen, eine unvorhergesehene Pandemie dazu. So manches was geplant war, kann somit nicht umgesetzt werden. Um so mehr brauchen wir kluge Köpfe, die in dieser nicht einfachen Zeit, umsichtig und zum Wohle der Gemeinde, handeln. Da sind wir in Sommerhausen gut aufgestellt.

Zurück ins Jahr 1996. Sommerhausen war damals noch eine SPD-Hochburg, doch sie zerbröckelte immer mehr. Zum letzten Mal erreichte die SPD 1996 eine Mehrheit. Die CSU wurde zusehends stärker. Doch auch sie verlor im Laufe der nächsten Jahrzehnte auf Kommunalebene, an Substanz. So langsam erholt sich diese in Sommerhausen wieder, ein Verdienst der engagierten Ortsvertreter. Dass sich immer mehr Zeitgenossen von den großen Parteien abwandten, lag daran, weil die große Politik sich nicht mehr volksnah präsentierten. Das ständige Machtgehabe ging den Menschen in Deutschland auf die Nerven. Das war auch der Grund, warum immer mehr neue Parteien entstanden. In den Kommunen tauchten später immer mehr freie Wähler auf. In Sommerhausen wurde die WGS immer stärker. Die SPD verschwand in Sommerhausen, nachdem die letzte Vorsitzende und sehr engagierte Gemeinderätin Waldtraut Müller, viel zu früh verstarb. Wenn ein Zugpferd wegfällt, kann das oft das Ende einer Gruppierung sein. Für die SPD etablierte sich später die Bürgerliste in Sommerhausen.

Kommunalwahlen in Ortschaften wie Sommerhausen sind personenbezogene Wahlen. Es werden Menschen gewählt, die bekannt sind. Diejenigen die in den Vereinen sehr aktiv sind, haben bessere Chancen gewählt zu werden, als nicht aktive Bürger. Es sei denn, sie haben eine besondere Lobby, bedingt durch einen großen Verwandten- und Freundeskreis. Auch zugezogene Bürger haben es schwerer, gewählt zu werden. Ausnahmen gab es wie früher Helmut Coenen und in neuerer Zeit Klaus Kowalczyk und zuletzt Wilfried Saak, der Bürgermeister wurde. Starke Persönlichkeiten werden sich immer, egal wo, durchsetzen.

Am 10. März 1996 wurden mit Thomas Bidner, Martin Fink, Siegbert Fuchs, Friedrich Furkel, Eberhard Mündlein und Wolfgang Ströhl sechs neue Marktgemeinderäte gewählt. Auf eigenen Wunsch traten die Marktgemeinderäte Wolfgang Baum, Friedrich Berger, Rudolf Fink, Werner Genauer und Heinz Schenk nicht mehr an. Helmut Coenen trat 1996 noch einmal an, doch er scheiterte knapp an seiner Wiederwahl. Diese sechs verdienstvollen Gemeinderäte, wurden, bevor die neue Legislaturperide begann, bei einer Feierstunde im Rathaus mit der goldenen, silbernen und kleinen Pastoriusmedaille ausgezeichnet. Bürgermeister blieb Gerhard Oehler. Es gab keine weiteren Kandidaten. So konnte sich Gerhard Oehler ohne Wahlstress auf seine weiteren sechs Jahre einstellen und der Gemeinde mit seinen großen Erfahrungswerten dienen.

Die Aufstellung der gewählten Marktgemeinderäte

Bürgermeister Gerhard Oehler, 848 (gültige Stimmen)

Marktgemeinderäte (gültige Stimmen):

CDU: Michael Bergmann 774, Dr. Peter Hügelschäffer 659, Herta Supp 563,

SPD: Waltraud Müller 1012, Siegbert Fuchs 670, Hans Dusel 625, Eberhard Mündlein 430, Wolfgang Ströhl 343

WGS: Fritz Steinmann 1096, Friedrich Furkel 597, Martin Fink 415, Thomas Bidner 386

17.3.1996: Bürgernachmittag im evangelischen Gemeindezentrum

1990 wurde der Bürgernachmittag des Bürgervereins eingeführt. Eine Veranstaltung für die Sommerhäuser Bürger mit einem musikalischen Rahmenprogramm. Der langjährige 1.Vorsitzende Erich Jacoby hatte Ende der 80er Jahre die Idee, die verwirklicht wurde. Bei der Veranstaltung am 17.3. wurde Erich Jacoby verabschiedet und zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der neue 1.Vorsitzende Michael Bergmann nahm die Auszeichnung vor und bedankte sich mit wohlwollenden Worten an seinem Vorgänger, der sichtlich gerührt war und in seiner Abschiedsrede aus seiner 20jährigen Amtszeit erzählte. Der Höhepunkt, so Jacoby, war das 100jährige Jubiläum des Bürgervereins. Nicht wie sonst die Sommerhäuser Musikanten, sondern die Akkordeongruppe mit Artur Steinmann, Kerstin Schwarz, Tanja Müller Wilhelm Meyer, sorgten für die musikalische Untermalung. Dazu, als weitere musikalische Überraschung, die neugegründete Kinder-Akkordeongruppe, welche von Hermann Füller aus Theilheim ausgebildet wurden. Ihre Namen: Vera Zesewitz, Tanja Wenninger, Marie Christin-Düll, Tobias Wenninger, Julian Schlichenmeier und Michael Düll. Das Publikum war von beiden Musikgruppen begeistert.

Weitere Darbierungen wurden geboten. Zuerst war es Karl Zesewitz, der als Gemeindediener, das Gemeindegeschehen im letzten Jahr, in launiger Art, erzählte. Zum Schluss erwähnte Karl Zesewitz vom Besuch des Bundespräsidenten Herzog in Sommerhausen und dass es an der Zeit wäre, dass auch der amerikanische Präsident Clinton mit seiner Hillary uns besuchen kommt. Was leider nicht geschah. Dann traten Anni Stolz und später Else Hamm in Aktion. Mit ihren hintergründigen und lustigen Mundartgedichten, hatten sie die Lacher auf ihrer Seite. Ebenso kamen die zum Teil nachdenklichen Gedichte von Siegbert Fuchs sehr gut an. Ausgewählte Dias von „Annodazumal“ zeigte Helmut Schönbuchner und erzählte spannend von seiner Kindheit in Sommerhausen. Geehrt mit Urkunden wurden Heinrich Helm und Michael Mündlein als Ehrenmitglieder. Michael Bergmann würdigte und verabschiedete Kassier Ewald Fuchs und Ausschussmitglied Heinz Möhring. Beide erhielten einen Sommerhäuser Bocksbeutel. Mit beliebten Volksliedern endete der kurzweilige Bürgernachmittag im vollbesetzten Gemeindezentrum.

Veit Relin lud am 15.16. und 17. März zu seinem 20-jährigen Jubiläum im Torturmtheater ein. Seine Lesungen beinhalteten „Kostbarkeiten aus der Weltliteratur.“

Die lange Winterpause tat der TSG Sommerhausen nicht gut. Als Aufsteiger in die A-Klasse Würzburg (heute Kreisliga) schloss die TSG im Jahre 1995 mit den beachtlichen 6.Platz ab (17 Spiele, 8 Siege, 4 Unentschieden, 5 Niederlagen, 31:29 Tore, 28 Punkte). Im Monat März 1996 gab es reihenweise Niederlagen (0:2 gegen Marktbreit, 0:1 in Schwarzenau, 0:2 gegen Lindleinsmühle, 1:4 in Gerbrunn).

Das lag auch daran, dass sich Top-Torjäger Joe Günther am 5.11.1995 schwer verletzte (Kreuzbandriss) und sehr lange fehlte. Joe Günther erzielte in der Saison 1994-95 als die TSG-Meister wurde, sagenhafte 50 Tore für die TSG.

Am 30.3.1996 (Palmsonntag) wurden 23 Konfirmandinnen- und Konfirmanden in der Bartholomäuskirche konfirmiert. Ihre Namen: Christian Baumann, Jan Dusel, Thomas Fink, Frank Friebe, Markus Friebe, Sven Köhler, Matthias Kress, Manuel Möhring, Johannes Trautner, Florian Wilbald, Manuela Amend, Bettina Brand, Carmen Friebe, Ines Hain, Simone Heilig, Silvia Kleinschroth, Jasmin Radcke, Anna Schloßnagel, Carmen Schuck, Stefanie Steinmann, Anna-Lena Strahtenwerth, Kerstin Weth, Vera Zesewitz.

Sommerhäuser Zeitgeschehen
Sommerhausen vor 25 Jahren – Rückblick Februar 1996 –

(Recherchiert und geschrieben von Siegbert Fuchs)

Eine Faschingshochburg war Sommerhausen noch nie und wurde es auch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht. Sommerhausen setzte auf andere Prioritäten. Faschingshochburgen im Landkreis Würzburg waren damals u.a. Höchberg, Ochsenfurt, Giebelstadt, Frickenhausen, Margetshöchheim, noch nicht Veitshöchheim. 

Sommerhausen lag im Dornröschenschlaf des Faschings. Das sollte sich ändern, als der TSG-Vorsitzende Heinz Schenk, gebürtiger Eibelstädter und langjähriger Sommerhäuser Gemeinderat und 2.Bürgermeister, die Initiative übernahm und die TSG-Mitglieder überzeugte, dass auch die Sommerhaüser Fasching feiern können.  Heinz Schenk hatte im Januar 1976 den Mut ein verrücktes Plakat zu entwerfen und in das Mitteilungsblatt zu setzen, welches auf Kopfschütteln der Bevölkerung stieß. In großen Lettern stand geschrieben: „In der Ritterzeit“, dazu skurile Figuren die unter einer Phantasieburg dargestellt wurden.   Gezeichnet: Ritter Heinz von Schenkenstein. Schön mutig. Wäre Heinz Schenk, ein Künstler wie Luigi Malipiero oder Veit Relin, hätte man gesagt: „Künstlerisch sehr wertvoll“.  

Was anfangs belächelt und verspottet wurde, brachte neue Impulse für den Sommerhäuser Fasching, der Jahre vorher mehr eine Trauerveranstaltung – Lachen verboten –  war. Heinz Schenk unterstützt von seiner Frau Hildegard, setzte die Weichen für die vielen nachfolgenden tollen Faschingsveranstaltungen. Da dürfen wir auch Michael Hümmer und seine Frau Silke nicht vergessen, die turnerisch begabte  Kinder und Jugendliche zu Akrobaten formte. So entstand die TSG-Zirkusgruppe, welche im ganzen Landkreis und darüber hinaus bekannt wurde. Später kamen die Gardemädchen dazu, die von Marion Lindner, auch heute noch von ihr bestens betreut und großartig trainiert, werden. Die Weichen für die TSG-Zirkusgruppe legte, und das muss unbedingt auch erwähnt werden, die Turnabteilung mit Horst Oehler und vorher Willi Supp, nach den später die Turnhalle benannt wurde.  Die Turner und nicht die Fußballer, waren lange Zeit das  Aushängeschild des Vereins. Regelmäßig nahm die Sommerhäuser Turnriege beim Deutschen Turntag in Berlin teil. Der letzte große Turner der TSG war Johannes Oehler.

Erst nach und nach entwickelte sich die Fußballabteilung, mit zwischenzeitlichen Erfolgen einiger Meisterschaften, doch auch regelmäßigen Abstiegen. Konstant  waren nur die Jahre von 1966 – 1972.  Die goldenen 7 Jahren waren die Jahre von 1994 – 2001 in der Kreisliga , ehe es wie alle Jahre vorher, ein stetiges „Auf und Ab“ gab.  Zuletzt jedoch mit einem „Happy End“ in der Saison 2018-19, als die TSG mit dem 6.Platz in der Kreisklasse abschloss. Dann kam die Fusion mit Winterhausen. Ein Glücksfall wie es sich herausstellte. Nur die Corona-Pandemie konnte die Erfolgsstory SG Sommerhausen-Winterhausen stoppen. Sollte die Runde beendet werden, würde die SG als Tabellenführer mit den besten Quotientenwert in die Kreisliga aufsteigen. Das wäre der gerechte Lohn für die großartige Mannschaftsleistung.  Daran haben unbedingt die beiden Trainer Felix Vetter und Christian Kohl  einen großen Anteil.   

Eine Fusion mit Winterhausen wäre im Jahre 1996 und auch noch später, undenkbar gewesen. Kommunen und Nachbarvereine kamen sich stetig näher. Feindbilder von früher verschwanden. Das liegt auch an der positiven Einstellung  der heutigen jungen Generation. 

Zurück in das Jahr 1996. Wer erinnert sich noch an Friederike Kilian, „Wolle Ricka“ genannt, sie feierte am 11.2. 1996 ihren 75.Geburtstag. Unser Ehrenmitglied des Bürgervereins, Ernst Hügelschäffer wurde am 25.2. 75 Jahre alt.  Im Februar waren außer dem Fasching (17.2 – 20.2.96), keine Veranstaltungen in Sommerhausen.  Zwei Gemeinderatssitzungen fanden im Monat Februar statt. 

Über eine Gemeinderatssitzung möchte ich berichten, da wurde Erik Baum, der heutige Vorsitzende der Reservistengemeinschaft für 50 maliges  Blutspenden von Bürgermeister Gerhard Oehler, gewürdigt. Gerhard´s Oehlers Worte waren damals:  Es ist eine besondere Freude, einen jungen Mitbürger zu ehren, der durch sein 50maliges Spenden in vorbildlicher und persönlicher Weise mitgeholfen hat, Gesundheit und Leben zu erhalten.

Als Anerkennung und Ausdruck des Dankes wurden Erik Baum die Ehrenurkunde, die Ehrennadel für Blutspender in Gold und ein wertvoller Krug mit Zinndeckel, vom Roten Kreuz gespendet, überreicht.

Erwähnenswert noch dass die  Hauptschule Sommerhausen  im Februar 1996 zwei neue Computer bekam, welche von der Zweigstelle der Raiffeisenbank Sommerhausen gestiftet wurden. Condirektor Harald Salzborn und Lehrerkollege Dieter Lange freuten sich sehr darüber, schon deshalb, weil die gestifteten Computer den damaligen neusten Stand entsprachen. Ein weiterer Lehrer hatte aber  Bedenken wegen der neuen Computer. „Da werden wir ja in Zukunft überflüssig“, meinte dieser. Doch Condirektor Salzborn entgegnete beschwichtigend: „Nein, das werden wir nicht.  Doch unser Berufsbild wird sich verändern. Wir müssen uns mit den neuen Techniken mehr vertraut machen.“  Zum ersten Mal wurden 1996 die Zeugnisse nicht mehr mit der Hand, sondern mit dem Computer geschrieben. Welch ein Fortschritt. 

 

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