Bürgerverein Sommerhausen

Schwedische Woche: 20- 26. Juli 1996

Schwedische Woche vom
20. – 26.Juli 1996


Die Schwedische Woche war eine besondere Veranstaltung. Der Initiator war Thomas Streit, Chorleiter von 1987 – 1998. Um Thomas zu entlasten, kümmerte ich mich um die Finanzen und stellte das Helferteam zusammen. Mareike und Uli Bieder und Steffen Schroll halfen mir im organisatorischen Bereich. Weitere Helferinnen- und Helfer waren: Marlene Geiger, Leona Malipiero-Hofer, Bettina Holl, Angelika Müller, Gudrun Steinmann, Ute Mündlein, Klaus Mündlein (Kassier). Für das Kulinarische sorgte meine Frau Renate. Mit den Künstlern eine Woche zusammen zu sein, war eine spannende Sache. Im Vorfeld wurde das Programmheft erstellt und die Presse informiert. Rechtzeitig schickte die Schwedische Botschaft die schwedische Fahne, die in einem der Fenster im obersten Stockwerk des Schlosses mit der deutschen Fahne aufgehängt wurden. Im Beipack waren noch drei Bekleidungsstücke dabei, die welch ein Zufall, den drei Kindern von Gabi und Klaus Mündlein passten. Die schwedisch gekleideten Kinder wurden somit bei der Eröffnungsveranstaltung zum Blickfang für die Besucher.

Wie kam Thomas Streit zur Schwedischen Woche? Es war die große Liebe zu Sommerhausen, berichtete er mir am Telefon nach mittlerweile 25 Jahren. Die Bellmann-Melodien wollte er dem fränkischen Winzer- und Künstlerdorf Sommerhausen nahe bringen. Dass nun ausgerechnet der schwedische Dichter und Komponist Carl Michael Bellmann (1740 – 1795) den Programmschwerpunkt bildete, war wohl überlegt. Dessen feucht-fröhliche Gassen- und Trinklieder mit dem morbiden Schalk fanden im weinseligen Sommerhausen das richtige Ambiente.

Die schwedisch-deutsche Sopranistin Elisabeth Bengson-Opitz, die frühere Gesangsprofessorin von Thomas Streit, hatte die Idee das Hamburger-Bellmann-Ensemble zu gründen. 1995 in Rendsburg traten sie zum ersten Mal auf. Die zweite Veranstaltung folgte auf Herzenswunsch von Thomas Streit in Sommerhausen.

Elisabeth Bengson-Opitz (Sopran), Thomas Streit (Bariton), Ferdinand von Seebach (Posaune), Frank Pschichholz (Gitarre), Eva Tittor (Violoncello) Maja Darmstadt (Blockflöte) und Angelo Valtehev begeisterten bei der Eröffnungsveranstaltung am Samstag, den 20.7. 1996 in der Kelterhalle das Publikum. Gewöhnungsbedürftig waren die derben Bellmann- Lieder für die Besucher. Sie wurden in die Stockholmer Boheme des 18.Jahrhunderts in das Lokal „Terra Nova“ geführt. Da wurden Trink- und Spottlieder gesungen, die auf Grund des reichlichen Alkoholkonsums in Streitereien und Handgemenge ausarteten.

Thomas Streit brillierte als Sänger und in der Rolle als Zecher und Kardinalzyniker. Zu den von Elisabeth Bengson und Thomas Streit eindrucksvoll gesungenen Liedern, lieferten die weiteren Akteure mit Gitarre, Cello, Posaune und Blockflöte gekonnt den instrumentalen Hintergrund. Die platte Komik und die pointierte Seite Bellmanns, mit treffenden Überspitzungen wurden im zweiten Teil präsentiert, als die Gesellschaft auf diversen Landpartien weilte. Wunderschön sang Elisabeth Bengson-Opitz auch noch schwedische Volkslieder aus den Regionen ihres Heimatlandes. Da passte im Anschluss das rührendes Lied über Pippi Langstrumpf dazu, welches vom Sommerhäuser Kinderchor gesungen wurde. Als Komparsen waren noch Georg Dusel und die hübsch gekleideten Mareike Bieder und Gudrun Steinmann im Programm mit dabei.

Die 2.Veranstaltung der schwedischen Woche fand am Sonntag, den 21.7. in der Bartholomäuskirche statt. Das gleiche Ensemble mit einigen Veränderungen. Ferdinand von Seebach spielte außer Posaune noch an der Orgel, so wie Eleonore Schuster verstärkte mit Flötenspiel das Team. Leider war die Kirche nur spärlich besetzt. Die Kostbarkeiten der schwedischen Kirchenmusik hätten mehr Besucher verdient. War es das Eintrittsgeld von 15 DM, welches die Leute zurück hielt? Von der Barockmusik bis Moderne reichte die Spannweite der schwedischen Klänge, die durch Werke von Händel und Bach ergänzt wurden. Absolute Höhepunkte waren die das Konzert beschließenden Ausschnitte aus Lars-Erik Larssons Lyrische Suite „Förklädd Gud“ (Der verkleidete Gott). Das Werk verarbeitet inhaltlich mythologische Elemente aus dem vorchristlichen Glauben.

Großartig wie Elisabeth Opitz und Thomas Streit gesanglich harmonierten, wunderbar begleitet von Maya Darmstadt und Eleonor Schuster (Blockflöte), Eva Tittor (Violoncetto) und Ferdinand von Seebach (Orgel). Da passte zum Stimmungsbild der Sommerhäuser Kirchenchor dazu, der sich harmonisch anpasste und ebenso eine außergewöhnliche Leistung zeigte.
Die Veranstaltungen am Montag den 22.7. und Mittwoch den 24.7. in der Kellerhalle mit Wiederholungen der Bellmann-Liedern war nur spärlich besetzt, so dass die finanziellen Erwartungen wohl nicht erfüllt werden. Es half nur ein ausverkauftes Haus. Entgegen kam mir Kaspar Steinmann, den ich die finanzielle Lage unter vier Augen erklärte. Er verzichtete großzügig auf die Miete der beiden Veranstaltungen in der Kelterhalle.

1996-07-20 - Das Bellmann Ensemble_n
Das Bellmann-Esemble


Freitag, 26.7.
Schlussveranstaltung in der Kelterhalle mit den Mehlprimeln und Gerhard Polt.

Was Gerhard Polt mit der Schwedischen Woche zu tun hat, war mir unklar. Ich erfuhr, dass Polt in Schweden studierte und mit Elisabeth Bengson-Opitz befreundet war. Für die Betreuung von Gerhard Polt war ich verantwortlich, auch über die Gage, die mir vorher nicht bekannt war. Das Münchner Urgestein kam, wie angemeldet, pünktlich um 14 Uhr mit seinen Mercedes an. Ich begrüßte ihn herzlich. Sichtlich von der langen Fahrt genervt, sagte Polt kurz Grüß Gott und er habe jetzt Durst, ich soll ihn eine Maß Bier besorgen. Was ich auch tat. In zwei Zügen trank er die Maß aus. Ich bin jetzt müd, so seine weiteren Worte. I leg mi irgendwo hi und sie wecken mich spätestens um 19 Uhr. Dann bringen sie mir e Würschtl, e Brot un e Bier. Er legte sich in den Schlossgarten und schlief gleich ein. Um 19 Uhr brachte ich wunschgemäß, Wurst, Brot und Bier. Mittlerweile füllte sich die Kelterhalle. Sie musste unbedingt voll werden, nur dann könnte ein finanzielles Minus abgewendet werden. Ich ging sogar auf die Straße um Leute in die Kelterhalle zu lotsen. Um 20 Uhr war die Kelterhalle brechend voll. Die Mehlprimeln begannen mit bayerischen Liedern. Dann kam Gerhard Polt herein. Die Halle tobte. Gerhard Polt mürrisch und ungehalten, ließ der Applaus kalt. Nur langsam kam er mit seinen Sprüchen in Fahrt. Irgendwie war er nicht gut vorbereitet. Doch dann lief er zu großer Form auf. Sein spöttisch- bayerisch-derber Humor kam nun an und das Publikum dankte ihn zum Schluss mit viel Beifall, jedoch nicht so frenetisch wie zu Beginn der Veranstaltung. Danach zur späten Stunde im Sektkeller von Kaspar Steinmann erlebte ich Gerhard Polt als zugänglichen, herzerfrischenden Gesprächspartner. Mit dabei war Hausherr Kaspar Steinmann, mit dem sich Polt auch sehr nett unterhielt. Bevor wir uns verabschiedeten, wollte ich wissen, wie wir das mit der Gage regeln. Er melde sich morgen früh telefonisch bei mir, so seine Worte. Um 9 Uhr kam der Anruf von ihm. Er kam vorbei und er nannte mir eine Summe, mit der ich nicht einverstanden sein konnte. Nach einem heftigen Gespräch, Gerhard Polt war wieder der typisch mürrische Mensch, gab dann doch widerwillig nach und so konnte ich die Gage um einiges drücken. Ohne sich zu verabschieden, stieg Gerhard Polt in seinen Mercedes ein und fuhr eilends davon.

1996-07-26 - Siegbert Fuchs, Gerhard Polt und Kaspar Steinmann_n
S.Fuchs, G.Polt, Kaspar Steinmann / Im Sektkeller des Weingutes " Schloss Sommerhausen". Siegbert Fuchs, Gerhard Polt und Kaspar Steinmann.

Fazit der Schwedischen Woche:

Nach Abzug aller Kosten blieb ein kleiner Gewinn übrig. So konnten wir eine Woche später zumindest ein kleines, nettes Helferfest feiern. Die „Schwedische Woche“ war stressig, doch wunderschön. Das Miteinander mit den Künstlern und Helfern bleibt unvergessen, wie auch die zünftigen Bellmann-Liedern noch lange nachwirkten. In einem seiner bekanntesten Episteln wird gesungen: „Scheint dir auch die Grabeserd schwer, na denn schön, hol´dir den Becher her. Sauf halt noch einen drauf, dito zwei, dito drei, dann stirbst du sorgenfrei“.

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